Donnerstag, 1. Oktober 2020
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    Organspende: Zahlen in Hamburg verdoppelt

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    Die Zahl der Organspenden hat sich in Hamburg innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Ein Thema, über das die Redaktion erst kürzlich diskutierte.

    Mit einer erfreulichen Nachricht geht es in die neue Woche: Nachdem die Spenderzahlen jahrelang rückläufig waren, ist die Zahl der Organspenderinnen und -spender 2018 bundesweit wieder angestiegen.

    In Hamburg hat sich die Anzahl sogar mehr als verdoppelt: Hier stellten 55 Menschen ihre Organe für eine Transplantation zur Verfügung (2017: 24). Auch die Zahl der gespendeten Organe ist in Hamburg deutlich von 77 (2017) auf 182 (2018) angewachsen.

    Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks äußerte sich vor dem Hintergrund der Entwicklung zufrieden: “Das hat vielen schwerkranken Patientinnen und Patienten, die auf ein Spenderorgan gewartet haben, das Leben gerettet und zeigt, dass sich immer mehr Menschen mit dem wichtigen Thema Organspende auseinandersetzen.”

    Trotz der erfreulichen Zahlen appellierte die Gesundheitssenatorin dafür, der Organspende noch offener entgegenzutreten und die bisherige Gesetzgebung zu überdenken: “Ich spreche mich  für die Einführung der doppelten Widerspruchslösung aus”, erklärte Prüfer-Storcks.

    “Wer kein Organspender sein will, muss aktiv widersprechen. Aber auch bei denjenigen, die nicht widersprochen haben, werden die Angehörigen vor einer Organentnahme gefragt. Eine solche Lösung berücksichtigt die Not vieler Kranker, die dringend auf eine Spende warten, und wahrt das Selbstbestimmungsrecht der Menschen.“

    Erst kürzlich hatte unsere Redaktion über die Einführung der doppelten Widerspruchslösung diskutiert. Die Positionen haben wir nachfolgend noch einmal dargestellt.

    PRO, Christian Luscher,  Stellv. Chefredakteur

    Jedes Jahr sterben 2.000 Menschen, weil ihnen ein Spenderorgan fehlt. Die Deutschen sind laut Umfragen zu 80% prinzipiell spendenbereit – dennoch haben nur sehr wenige einen Organspendeausweis. Die bisherige Taktik, die Bürger zu sensibilisieren und zu bitten, sich einen solchen anzuschaffen, wirkt also offensichtlich nicht.

    Da ist der Gesetzentwurf eine vernünftige Lösung. Er sieht vor, dass jedermann ab 16 über Organspende informiert und dann registriert wird – es sei denn, man widerspricht. Als zusätzliche Sicherheit sollen nach dem Ableben der als Spender infrage kommenden Personen auch noch die Angehörigen gefragt werden, wie die Einstellung des Verstorbenen zur Organspende war. Es können also nicht einfach „heimlich“ Organe abgeluchst werden.

    Niemand muss spenden. Es wird aber von jedem verlangt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich dazu zu positionieren. Das schränkt die Freiheit des Einzelnen nicht großartig ein, nützt aber der Allgemeinheit. Dafür gibt es ein Wort, das ich gerne häufiger in Politik und gesellschaftlichem Diskurs hören würde: Solidarität.

    CONTRA, Kimberley Schulz, Redakteurin

    Grundsätzlich finde ich Organspende wichtig, allerdings möchte ich, dass meine Angehörigen die Entscheidung, wann ich Spender werde, selbstständig treffen und Ärzte keine eigenständige Entscheidungsmacht besitzen. Von daher stehe ich der Automatisierung durchaus kritisch gegenüber.

    Sollte der Organspendeausweis automatisiert werden, besteht zwar die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen, meiner Meinung nach könnte dieses Veto allerdings problematisch werden, wenn viele Betroffene nicht wissen, auf welchem Weg sie sich dem widersetzen können und, noch viel wichtiger, dass dieser Widerspruch überhaupt getätigt werden muss, sollte man seine Organe im Fall des Todes nicht spenden wollen.

    Bevor die automatische Organspende eintritt, muss über einen längeren Zeitraum intensiv darüber und über den möglichen Einspruch informiert werden. Viele Menschen möchten nicht Organspender sein oder haben Angst, dass frühzeitig die Entscheidung fremdbestimmt getroffen wird, dass die eigenen Körperteile gespendet werden. Die Bevölkerung sollte eher intensiver über das Thema und die Notwendigkeit informiert werden, bevor für jede Person entschieden wird, dass sie ohne Einwilligung Spender wird.

    Sie möchten mit uns diskutieren? Dann schreiben Sie eine Mail an info@alster-net.de.

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