Mittwoch, 21. Oktober 2020
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    Ursprung im Hamburger Norden

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    Gelenkprothesen helfen Millionen Menschen auf der ganzen Welt, schmerzfrei zu leben. Einer der Pioniere lebt und arbeitet im Alstertal. Wir sprachen mit ihm über die Herausforderungen des Weltmarktes, “Made in Germany” und eine äußerst strenge Qualitätskontrolle.

    Niemals zuvor habe ich einen so sauberen und aufgeräumten Betrieb besichtigen dürfen. Die Werkhallen, durch die mich Firmeninhaber Helmut D. Link führt, wirken, als könne man hier operieren. Wir verbringen eine Weile in einem kleinen „Museum“, in dem das Unternehmen unterschiedlichste Gelenkprothesen und ihre Entwicklungsstufen ausstellt. Dieser Raum ist quasi die Firmengeschichte. „Wir haben naturgemäß viele internationale Besucher im Haus, die unsere Produktionsstandards kennenlernen wollen“, so Link. Er wirkt fast ein wenig stolz, unzähligen Patienten mit häufig starken Gelenkschmerzen mit „seinen“ Produkten geholfen zu haben. Ich lerne einen freundlichen, beinahe zurückhaltenden Menschen kennen, fast etwas gelassen ¬- Erfolg kann Menschen gelassen machen.

    „Wir sind beispielsweise der größte Lieferant von Gelenkprothesen nach China“, erklärt mir Helmut Link. Das liegt daran, dass „Made in Germany“ im Land der Mitte ein hohes Vertrauen genießt. Es gibt weltweit deutlich größere Unternehmen, die Hüft-, Knie- oder andere Gelenke herstellen. Aber trotzdem gilt: Alle drei Minuten wird irgendwo auf der Welt einem Menschen ein neues Gelenk der Firma Link eingesetzt.

    Der Ursprung dieses Unternehmens liegt in Lemsahl. Er lässt sich bis in das Jahr 1948 zurückverfolgen. Damals begann der Vater und Firmengründer Waldemar Link mit dem Handel von Artikeln für den Krankenhausbedarf. Bereits früh arbeitete Sohn Helmut im väterlichen Betrieb mit. Noch heute kann er mir im Gespräch seine „Wochentour“ aus den 50er-Jahren lückenlos aufzählen. Besuch und Belieferung der wichtigsten Krankenhäuser in Hamburg, mit Aktentasche und Engagement. Ab 1960 waren Vater und Sohn maßgeblich an der Entwicklung der ersten künstlichen Gelenke beteiligt. 1972 begann der Aufbau des eigenen Fabrikationsbetriebes mit anfangs zwei Mitarbeitern. Heute sind es 310, weltweit beschäftigt die Link-Gruppe 1.100 Menschen. Ja, ich gebe zu, dass mich solche Unternehmerpersönlichkeiten sehr beeindrucken. „Mit nix“ – wie man in Hamburg sagt –anzufangen und es zu einem internationalen Spitzenplayer zu schaffen, zu einem Hidden-Champion zu werden, Chapeau. Diese Unternehmer sind das Rückgrat der deutschen Gesellschaft. Die Link-Gruppe ist heute auf sechs Kontinenten vertreten.

    Gefragt nach dem Schlüssel oder dem Rezept zu so einer unternehmerischen Lebensleistung kommen häufig Aussagen wie „Wir haben einfach Glück gehabt, zur richtigen Zeit mit dem richtigen Produkt am richtigen Ort zu sein“ oder „Wir konnten herausragende Mitarbeiter gewinnen, die einen großen Beitrag zum Unternehmenserfolg geleistet haben“. So antwortet auch der sehr hanseatische Helmut Link.
    Mitarbeiter sind übrigens auch aktuell die wichtigsten Bausteine im Unternehmen. So sind bei Link immer wieder Stellen in oft hochqualifizierten Tätigkeitsbereichen zu besetzen. Das Unternehmen wächst und ist aufgeteilt in verschiedene Verwaltungs- und Produktionsstandorte. Eines liegt in Hummelsbüttel, ich werde durch die Produktion in Norderstedt (360 Mitarbeiter) geführt.

    200.000 Implantate werden allein in Deutschland jährlich eingesetzt, allerdings nicht nur Produkte von LINK, sondern ebenfalls auch anderen Herstellern. Für die Krankenhäuser in Deutschland, die in der Endoprothetik tätig sind, ist der Preis des Implantats entscheidend, das preiswerteste wird verwendet, so haben es Politik und Krankenkassen entschieden. Ein Hüftgelenk kostet im Einkauf ab 250 Euro mit Prothesenkopf, Schaft und Hüftpfanne, die Teile von Link kosten schon mal das Doppelte und mehr. Schließlich steht hier ein gewaltiger Verwaltungsaufwand hinter jedem Produkt. Jeder kleinste Schritt in der Fertigung wird aufwendig dokumentiert, um bei möglichen Fehlern genau den Grund lückenlos nachvollziehen zu können. Zehn Prozent des Umsatzes gehen allein in Forschung und Entwicklung.

    Endoprothetik hat eine bedeutende Rolle in der Patientenversorgung erhalten. Mangelnde Bewegung, Übergewichtigkeit, aber auch Überbelastungen durch Leistungssport oder Rheuma, Gelenkentzündungen und andere Ursachen führen zu oft sehr schmerzhaften Folgen. Eine „neue Hüfte“ ist oft die Lösung. Ein Eingriff, der noch vor wenigen Dekaden undenkbar war und heute fast schon zu einer Routine-OP wurde. Mein Gesprächspartner ist einer der Pioniere. Man hat ihm zahlreiche Ehrungen zukommen lassen und einen „Dr. h.c.“. Danke, dass ich diese Persönlichkeit kennenlernen durfte.

     

    Mit dem künstlichen Hüftgelenk fing alles an. Der Weltrum des Unternehmens beruht heute auf einer Vielzahl von “Ersatzteilen” für den menschlichen Körper: Kniegelenke, Schultergelenke, sogar Fingergelenke. Hier erklärt Link Verleger Buss ein Fußgelenk.

     


     

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