Sonntag, 25. Oktober 2020
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    Die Bücherhalle entdeckt sich neu

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    Im August feiert die Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen ihr 100-jähriges Jubiläum. Aber sind Bibliotheken heute überhaupt noch zeitgemäß? Ein Gespräch mit Joachim Kunde von der Bücherhalle Alstertal.

    Alstertal-Magazin: Vor zwanzig Jahren waren Sie noch Chef der ehemaligen Bücherhalle Poppenbüttel. Wenn Sie diese mit den heutigen Verhältnissen vergleichen, was hat sich verändert?

    Joachim Kunde: Bibliotheken als solche haben sich in dieser Zeit schon sehr verändert. Die Leute haben heutzutage eine ganz andere Erwartungshaltung an Bibliotheken, was zwangsläufig auch das Gesicht einer Bücherhalle verändert. Wir haben hier Leute, die zum ersten Mal seit mehreren Jahren eine Bibliothek betreten und sich wundern, wie sehr sich alles verändert hat.

    Was hat sich denn konkret verändert?

    Früher hatte eine öffentliche Bücherhalle ein eher angestaubtes Image. Es gab Unmengen an Büchern, man sollte aber leise sein. Heute ist das anders. Man kann auch einfach nur mal herkommen, um einen Kaffee zu trinken oder in Arbeitsgruppen zusammenzusitzen. Es wird nach wie vor gelesen, aber die Rolle, die wir in der Wahrnehmung der Menschen einnehmen, hat sich gewandelt.

    Macht dieser Wandel Bücherhallen wie ihre auch wieder attraktiver für Jugendliche?

    Der Anteil an Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unserem Haus hat sich jedenfalls erfreulich entwickelt. Abiturienten oder auch Studenten kommen beispielsweise gerne, weil sie hier in Ruhe lernen und sitzen können. Generell hat sich die Zusammenarbeit mit Schulen über die letzten Jahre sehr stark intensiviert. Wo früher noch eine einfache Führung durch die Bücherregale gereicht hat, bieten wir heute spezielle Veranstaltungen an, die zu den jeweiligen Zielgruppen passen.

    Es gab Zeiten, in denen Stadtteilbibliotheken reihenweise schließen mussten. Inzwischen sind die Bücherhallen in Hamburg am wachsen und erweitern ihren Bestand. Wie kann das sein?

    Früher gab es einen sehr starken Sparzwang, der dazu geführt hat, dass kleine Stadtteilbibliotheken peu à peu geschlossen wurden. Dieser Druck ist längst nicht mehr so stark, was meines Erachtens auch daran liegt, dass die Bibliothek in der Bildungs- und Kulturpolitik nun einen ganz anderen Stellenwert hat. Dieser Umstand gibt uns die Möglichkeit weiter zu wachsen und unser Portfolio zu erweitern.

    Was die Mediennutzung angeht, sind unter jungen Menschen gerade Streamingdienste wie Netflix und Spotify sehr angesagt. Macht sich dieser Umstand auch bei Ihnen bemerkbar?

    Oh ja! Speziell bei CDs und DVDs haben wir jedes Jahr Rückgänge zu verbuchen, die auf diesen Umstand zurückzuführen sind.

    Muss man sich als Bücherhalle diesem Schicksal ergeben? Oder kann etwas dagegen getan werden?

    Inzwischen setzen wir auf alternative Streamingdienste, wie Freegal Music oder Filmfriend, um unseren Kunden eine günstige Alternative bieten zu können. Denn trotz allem ist es ja so, dass unsere Anmeldezahlen steigen.

    Zum Ende noch ein kurzer Blick in die Zukunft: Wie geht es mit der Bücherhalle Alstertal weiter?

    Ende August werden wir zwei neue Veranstaltungsräume im Untergeschoss der Bücherhalle eröffnen. Tatsächlich können dann sogar ganze Schulklassen im Rahmen einer Veranstaltung in den Räumen untergebracht werden. Wenn die Räume nicht von Gruppen gebucht sind, stehen sie dem Publikum selbstverständlich als Aufenthalts- und Arbeitsfläche zur Verfügung.

     


     

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