Donnerstag, 29. Oktober 2020
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    Kolumne: SUV-Fieslinge

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    Derzeit diskutiert Deutschland und seine Medien über den SUV – und seine angeblich fiesen Fahrer. Wolfgang E. Buss diskutiert mit und diagnostiziert Sozialneid!

    Es gibt, so der Eindruck vieler Journalisten und Aktivisten in unserem Land, drei aktuelle Todsünden: Mit einem Flugzeug zu fliegen, eine Kreuzfahrt zu machen und – was meinen Sie? Richtig! Einen SUV zu fahren! Pfui! Darauf haben sich die Kollegen in den meisten Redaktionen eingeschossen. Man liest und hört jedenfalls nicht viel Gutes über die vermeintlichen Klimazerstörer.

    Was tun, nachdem die Energiewende der Bundesregierung krachend gescheitert ist und die deutschen Verbraucher Privat undIndustrie) für das Scheitern auch noch mit den höchsten Strom- oder Gaspreisen der Welt bestraft werden? Und weltweit 1.400(!) neue Kohlekraftwerke in Planung oder schon Bau sind.

    Um von diesem Dilemma abzulenken und gleichzeitig politisch Gewinn zu machen, hat sich SPD-Finanzminister Olaf Scholz nun die SUV-Fahrer vorgeknöpft: Denn gegen diese Fieslinge, genauso übrigens wie gegen Kreuzfahrt-Passagiere, lässt sich in der 15-Prozent-SPD derzeit ideal Sozialneid zu schüren.

    Apropos: Wie viele Kreuzfahrtschiffe gibt es eigentlich weltweit? Die Antwort: circa 300! Und wie viele andere Fahrgastschiffe (z.B. Fähren etc.) und Handelsschiffe sind auf unseren Meeren und Flüssen unterwegs und stoßen ebenfalls Mengen CO2 aus? 35.600 (!) – zu 300, das sind etwa ein Prozent. Und genau dieses eine Prozent haben die Journalisten-Kollegen mit links-grünem Herzschlag auf dem Kieker! Das Schlimmste für sie: Die Urlauber auf diesem einen Prozent haben auch nach Spaß auf den Schiffen! Eine schreckliche Vorstellung: Die Lustreise zur See! Pfui!

    Wir könnten übrigens die gleiche Rechnung mit den weltweit stinkenden PKW und LKW im Verhältnis zu den paar SUVs in Hamburgs Nobelvierteln aufmachen. Denn deutlich stärker gewachsen als SUVs sind die Zulassungszahlen von LKWs und sogenannten „Sprintern“. Wir kennen sie alle – sie stehen ständig mit Warnblinkern in der zweiten Reihe und liefern Millionen Päckchen aus. Aber Sozialneid kribbelt eben viel schöner bei SUVs und Kreuzfahrern, mit Sprintern geht das nicht.

    Übrigens: SUV- und Kreuzfahrer-Bashing sowie Sozialneid wirken sich fast gar nicht auf das globale Klima aus. Dafür aber auf unser gesellschaftliches Klima eines bereits heute gespaltenen Landes. Es wird weiter vergiftet. Irgendwann hassen wir uns alle gegenseitig.

    Tatsächlich haben wir Menschen massive Probleme in die Welt gebracht. Am zweifelhaftesten ist die Wachstums-Doktrin. Wenn zur Ersatzreligion erklärt wird, dass das Wichtigste 2-4 Prozent globales Wirtschaftswachstum sei, und das bei bald 10 Milliarden Menschen, wird jedem klar, das wird unseren Planeten überfordern. In vielen von uns – auch in mir – erzeugt dieses Szenario Zukunftsangst. Da die Politik weltweit ein Teil des Problems ist, statt dessen Lösung, wachsen meine Sorgen derzeit noch. Übrigens las ich das Buch „Grenzen des Wachstums“ (Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit) bereits 1972!

    Und die Weltwirtschaft wächst rasant weiter, insbesondere wenn wir allen Afrikanern, Indern und Südamerikanern eine Teilhabe an unserem Wohlstand zugestehen wollen, um so Fluchtursachen zu minimieren.

    Also: Wollen wir als Journalisten, Publizisten oder Aktivisten etwas verändern, müssen wir uns den großen Emittenten und globalen Problemen zuwenden und uns nicht stark fühlen, wenn wir auf unsere Nachbarn losgehen, die Spaß am SUV-Fahren haben oder sich einmal im Jahr auf See erholen wollen!

     

     


     

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