Dienstag, 13. April 2021
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    Wütend, ratlos und irgendwie komisch

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    Der Volksdorfer Michael Lang geht als Intendant des Traditionshauses „Ohnsorg-Theater“ neue Wege.  Warum man das aktuelle Stück „Extrawurst“ gesehen haben sollte, beschreibt Wolfgang E. Buss. Er war drin.

    Ja, es ist eine Komödie. Und teils auch auf Platt. Aber das ist auch schon alles, was irgendwie „nett“ ist. Denn das Stück „Extrawurst“ – das die Poppenbüttlerin Meike Harten inszeniert hat – ist so mitten im Leben, so nah dran an der Deutschen Seele und Befindlichkeit, dass einem der Mund trocken wird.

    Das Setting des Stücks ist ein kleiner Tennisverein. Etwas verstaubt, ehrenamtlich geführt, ein Ort deutscher Idylle, wenn nicht auch der Türke Erol Oturan Mitglied wäre.

    Extra-Grill wegen des “Schweinedampfs”?

    Während einer Mitgliederversammlung, an der wir als Zuschauer live teilnehmen, geht es neben wichtigen Entscheidungen noch um eine kleine Nebensache. Der Wurst-Grill, für gut gelaunte Vereinsfeiern unverzichtbar, muss erneuert werden.

    Kein Problem. Doch Erol der Türke und gleichzeitig Starspieler im Verein isst als Moslem eben keine Schweinewürstchen. Man müsste also, um die Integration nicht zu behindern, einen Extra-Grill für Erol anschaffen, weil der „Schweinedampf“ der Schweinewurst die Halal-Wurst für Muslime ungenießbar macht?

    Klar! Wie bitte? Eine Extrawurst, nur weil er Moslem ist? Muss man überhaupt eine Religion in Deutschland tolerieren, die leckere Grill-Würstchen verbietet? Deutsche Grillkultur ist schließlich auch ein Stück deutscher Leitkultur.

    Konflikte über den richtigen Umgang mit Minderheiten

    Muss sich der ganze Verein nach einem einzigen Moslem richten, der seinen Glauben nicht mal genau erklären kann. Wie viel Toleranz muss der Moslem bitte seinem Gastland gegenüber bringen. Schließlich ist er ja zu uns gekommen – und muss sich auch demokratisch verhalten. Als Minderheit! Logisch.

    Aber auch wir müssen tolerant sein gegenüber Minderheiten. Dann braucht aber auch die Minderheit der Vegetarier im Verein einen eigenen Grill! Plötzlich steht die Mitgliederversammlung vor einer Zerreißprobe.

    Erol sagt, er brauche diese Debatte auch gar nicht, er würde – ohne Einigung – sonst auch gerne austreten aus dem Club. Was? Immer unverblümter gehen Atheisten, Gläubige, Türken und Deutsche, Gutmenschen und Hardliner aufeinander los.

    Plötzlich tritt der 1.Vorsitzende verzweifelt zurück – noch während der Sitzung! Das ist nicht mehr sein Club! Alles hängt am seidenen Faden. Und das, wo es doch nur darum geht, gutes Tennis zu spielen und für dringend gesuchte neue Mitglieder attraktiv zu sein!

    “Extrawurst” als skurrile Spiegelung deutscher Wirklichkeit

    Sämtliche gesellschaftlichen Empathie- und Empörungswellen zum Thema Migration, Integration und Toleranz wogen durch den Tennis-Club und das Ohnsorg-Theater. Was sonst in Betrieben, Familien und anderen Kreisen nur schwelt, bricht sich hier Bahn, „muss hier doch mal gesagt werden dürfen.“ Und nachdem alles ausgesprochen ist, scheint der Konflikt unlösbar geworden.

    Die „Extrawurst“ lässt Zuschauer wie „Vereinsmitglieder“ alleine zurück. Das Integrationsgeschwafel der Gutmenschen genauso wie die „Überwindung der Sprechverbote“ deutscher Hardliner, haben im Tennisclub alle wütend und verzweifelt gemacht.

    Und trotzdem ist die „Extrawurst“ auch noch urkomisch: Die skurrile Spiegelung deutscher Wirklichkeit läuft noch bis zum 15. November!

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