Freitag, 30. Oktober 2020
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    Ist der NDR unverzichtbar?

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    Die Wohldorf-Ohlstedterin Regina Möller ist vor kurzem zur neuen Vorsitzenden des NDR-Verwaltungsrats gewählt worden. Das Alstertal Magazin sprach mit ihr über Qualitätsjournalismus, Rotfunk und kontroverse „Zwangsgebühren“!

    Alstertal Magazin: Was erhoffen Sie sich von Ihren 15 Monaten als Vorsitzende des NDR-Verwaltungsrats? Was wollen Sie erreichen?

    Regina Möller: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht vor großen wirtschaftlichen und finanziellen Herausforderungen. Der Digitalisierung und dem damit verbundenen Wandel gerecht zu werden, wenn zugleich der finanzielle Handlungsspielraum enger wird, ist eine von vielen anspruchsvollen Aufgaben. Ich freue mich darauf, den NDR als Vorsitzende des Verwaltungsrats dabei begleiten zu dürfen, damit er weiterhin seinen wichtigen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen kann.

    Sie erwähnten im Zusammenhang mit dem NDR auch schon das Schlagwort „Qualitätsjournalismus“, das derzeit besonders oft zu hören ist. Was bedeutet „Qualitätsjournalismus“ für Sie?

    Qualitätsjournalismus bedeutet für mich unabhängigen, hochwertigen, transparenten Journalismus, der anregt, informiert und inspiriert, kritisch nachfragt, der weltoffen ist und zugleich das Leben, den Alltag in unserem Land, in unserer Region widerspiegelt. All das finde ich beim NDR und in der ARD jeden Tag, jederzeit in den Radio- und Fernsehprogrammen. Ob Tagesschau im Fernsehen oder Hamburg 90,3 im Radio, ob „Weltspiegel“ oder „Panorama“. Für Qualität stehen auch die Dokumentationen und exklusive Recherchen, die Missstände ans Licht bringen, z.B. über Doping-Skandale oder Patientensicherheit. Allein 2018 wurden im Ersten 22 lange Dokumentationen ausgestrahlt.

    Aktuell hört man auch wieder vermehrt Zweifel an der politischen Neutralität der öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten. Mit dem Vorwurf, ein „Rotfunk“ zu sein, wurde der NDR z.B. schon seit dem Ende der 70er-Jahre immer wieder konfrontiert. Wie stehen Sie zu dieser Problematik? Ist die Kritik gerechtfertigt?

    Nein. Die öffentliche Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag und auch die Kontrolle durch die Gesellschaft garantieren eine verlässliche und von Politik und Wirtschaft unabhängige Berichterstattung. Der NDR gehört der Gemeinschaft. Daraus ergibt sich die Verantwortung, alle Menschen ausgewogen, unparteilich und umfassend über wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse zu informieren. Im Rundfunk- und Verwaltungsrat des NDR vertreten die Mitglieder die Interessen der Allgemeinheit. Die Zusammensetzung spiegelt die Vielfalt der Gesellschaft wider: von Gewerkschaften über religiöse Gruppen und wissenschaftliche Einrichtungen bis hin zu Verbänden und Politik.

    Eine weitere Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen ist die der Höhe des Rundfunkbeitrags, der von Gegnern als zu hoch und „Zwangsgebühr“ bezeichnet wird. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

    Bis 2021 ist der Rundfunkbeitrag auf 17,50 Euro im Monat festgeschrieben. Er ist seit 2009 nicht gestiegen, sondern sank 2015 sogar um 48 Cent auf 17,50 Euro. Wer nicht zahlen kann, ist vom Beitrag befreit. Von der Allgemeinheit finanziert bieten ARD, ZDF und Deutschlandradio eine in Europa einmalige Vielfalt in Fernsehen, Hörfunk und Online – insbesondere auch auf regionaler Ebene. Mit der Tagesschau, dem Tatort und der Sportschau, mit KiKa und ARTE, mit den Hits bei NDR 2 und der Klassik bei NDR Kultur, mit dem jungen Internet-Angebot funk, mit dem Hamburg Journal und anderen Regionalmagazinen, mit der Mediathek und der Audiothek und, und, und … All das für weniger als 60 Cent am Tag pro Haushalt.

    3 Stunden 25 Minuten pro Tag nutzen die Menschen Sendungen von ARD, ZDF und Deutschlandradio im Fernsehen und Hörfunk im Durchschnitt und das – wie gesagt – für derzeit weniger als 60 Cent am Tag. (Quellen: AGF in Zusammenarbeit mit GfK; Video Scope| Media-Analyse Audio–ARD Gesamt, ma2019 Audio I)
    ARD, ZDF und Deutschlandradio haben eine moderate Erhöhung des Rundfunkbeitrags ab Januar 2021 beantragt. Nach dann 12 Jahren ohne Beitragserhöhung braucht der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Steigerung, um bei allgemeiner Inflation und gestiegenen Kosten auch weiterhin seinen Programmauftrag verlässlich erfüllen zu können.

    Was ist Ihre persönliche Lieblingssendung beim NDR?

    Das kann ich nicht auf eine Sendung reduzieren. Das Programm ist vielfältig und abwechslungsreich. Ich schätze neben der NDRTalk Show und dem Hamburg Journal auch die Produktionen für das Erste (Deutsche Fernsehen), hier insbesondere die Pfefferkörner (ich habe inzwischen mit meiner Tochter alle Staffeln gesehen) und die Quiz-Shows als Familienunterhaltung.
    In der Früh verfolge ich in der Regel eine der Morgen-Shows bei N-JOY, NDR 2 oder 90,3. Hier begeistert mich die Mischung aus Nachrichten, Informationen und Musik.


     

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