Freitag, 30. Oktober 2020
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    Von Hochmut und Demut

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    Ex-Bertelsmann und Arcandor-Chef Thomas Middelhoff im Gespräch über die Einsichten aus seiner Karriere und seine Haftstrafe – jetzt auch zum Nachhören im AlsterCast!

    Als Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann traf Middelhoff auf Persönlichkeiten wie Steve Jobs, Bill Gates, Jeff Bezos und die Bush-Familie. „Ich habe damals das Gefühl entwickelt, ich könnte über Wasser laufen. Die Demut, die ich nie gehabt habe, wurde immer weniger. Ich habe nie irgendwelche Rauschmittel zu mir genommen, aber man hat sich so benommen, als wäre man voll unter Stoff. Dass man alles machen kann und es gibt keine Grenzen.“

    Doch Hochmut kam vor dem Fall. Nachdem er sich bereiterklärt hatte, den maroden KarstadtQuelle-Konzern zu sanieren – eine „Mission Impossible“, von der ihm Freunde und Angehörige von Anfang an abgeraten hatten – führte eine Reihe von problematischen Entscheidungen und schweren Fehleinschätzungen schließlich zu seiner Verurteilung u.a. wegen Steuerhinterziehung und Untreue in 27 Fällen.

    “Es gibt eine höhere Macht, den Staat”

    Den Moment, als der Ex-Manager für ihn überraschend noch während der Gerichtsverhandlung in Anwesenheit seiner Familie verhaftet wurde, schildert er eindringlich: „Ich habe immer noch das Gesicht meiner Frau vor Augen, wie sie ihre linke Hand vor den Mund presste und ganz schrecklich weinte. Die Kinder waren total schockiert. Das lernt dann auch jemand wie ich: Es gibt eine höhere Macht, den Staat. Da kannst du machen, was du willst. Der nimmt dich aus deinem getakteten Leben heraus und sorgt dafür, dass du in eine Zelle kommst.“

    In dieser Zelle wurde er dann 15-minütlichen Selbstmordkontrollen unterworfen, die bei ihm nach eigener Aussage zu einer Autoimmunkrankheit geführt haben, unter der er auch heute, nach seiner Haftentlassung, noch leidet und für deren Abschaffung er sich – in einigen Bundesländern erfolgreich – stark gemacht hat.

    Middelhoffs Glücksbegriff neu definiert

    Am Ende der Diskussion wird Middelhoff gefragt, was heute Glück für ihn bedeutet. „Glück ist, festzustellen, dass ich kein Vermögen brauche, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, ich muss anderen zeigen, dass ich wichtig bin, sondern dass ich für mich selber meinen Standpunkt erzeugt habe“, antwortete er. „Glück ist für mich, wenn ich nach einer Veranstaltung wie dieser denke, du hast jetzt drei bis vier erreicht, die aus den Fehlern, die du zu verantworten hast, die richtigen Konsequenzen ziehen.“

    Das gesamte Gespräch  zum Nachhören gibt es in der ersten Folge des brandneuen  AlsterCasts  – Hamburgs aktuellem Talk-Podcast mit Verleger Wolfgang E. Buss –  jetzt einfach klicken!

     


     

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