Sonntag, 25. Oktober 2020
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    Einfach mal Pause machen!

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    Der Poppenbüttler Autor Ulrich Hoffmann hat aktuell ein neues Buch vorgelegt. Sein Titel: „Pause“. Wolfgang E. Buss sprach mit ihm über die Bedeutung von Pausen und über die Frage: Sind Pausen auch Meditation? Zu hören gibt es das Gespräch im aktuellen AlsterCast!

    Wolfgang E. Buss: Uli, das wie vielte Buch ist es jetzt, dass Du in Deinem Leben schon geschrieben hast?

    Uli Hoffmann: (lacht) Das ist eine gute Frage, so genau weiß ich es auch nicht. Es waren auch eine Reihe kleinerer Veröffentlichungen dabei.

    Wir haben von allem reichlich, nur von einem nicht: Zeit! Und daher leitest Du ab, weil eben die Zeit so kostbar ist, machen wir keine Pausen, denn die werden von vielen als einfach Verschwendung kostbarer Lebenszeit erlebt.

    Ja, das ist sehr häufig so. Ich habe einen kreativen Beruf, da kann man das ganz gut zeigen: Wenn ich beim Spaziergang im Wald eine gute Idee habe – ist das dann eine Pause oder „Arbeit“? Und so fängt man irgendwann an, auf dem Spaziergang bewusst nach Ideen zu suchen, und dann bleibt man gleich am Schreibtisch, statt spazieren zu gehen. Das ist schade – und auf die Dauer sehr anstrengend.

    Du legst bei dem Aspekt „Pause“ auch viel Wert auf den Bereich „loslassen“, also bewusst nichts zu tun. Aber gibt es nicht langsam schon zu viel Work-Life-Balance? Lassen wir uns von den Chinesen, die zurzeit viel Gas geben, langsam abhängen?

    Aus der Sicht einer Firma ist es sicher gut, möglichst viel aus einem Mitarbeiter heraus zu holen. Gerät er allerdings in einen Burn out, war das ein schlechter Weg. Nun schreibe ich aber kein Buch für Firmen, sondern für Menschen. Wir müssen als Menschen also schauen, welche Herausforderungen werden an uns herangetragen, welche wollen wir lösen, und welche machen uns kaputt.

    Du schreibst in Deinem Buch, erst im Leerlauf entwickeln wir unsere Persönlichkeit. Wie ist das gemeint?

    Das ist nicht meine Idee, sondern stammt von C. G. Jung. Es wurde in eine Reihe von Untersuchungen die nachweisen, dass sich unsere Persönlichkeit erst bildet, wenn wir zur Ruhe kommen. Man nennt das „Individuation“. Wir wissen zum Beispiel, dass Yoga und Meditation dem Menschen helfen und die Vernetzung des Gehirns unterstützen. Das lässt sich auch in Hirn-Scans nachweisen. Und dieser Effekt geschieht eben in den Pausen, und nicht in der Aktivität, wie zum Beispiel Arbeit.

    Da du dich, genauso wie ich, viel mit Meditation beschäftigt hast, schließt sich die Frage an: Wie würdest du den Unterschied zwischen Pause und Meditation beschreiben?

    Die Meditation ist auch eine Art des Tuns. Pause kann also auch Meditation sein. Die Pause, um die es bei mir im Buch geht, hat noch eine größere Leichtigkeit im Gesamtverständnis. Gemeint ist, wenn ich täglich von Meeting zu Meeting hetze, stresst mich das mehr, als wenn ich zwischendurch bewusst vielleicht auch nur ein oder zwei Minuten Pause mache. Das ist aber kein Statussymbol, im Gegensatz zum Dauerstress.

    Ich vergleiche noch einmal Meditation mit Deinem Pausenbegriff, indem ich sage und auch lehre, dass Meditation das wirkliche Entstehen einer „Leerheit“ bedeutet, insbesondere in unserem Kopf. Während in einer einfachen Pause meine Gedanken weiterhin umher sausen.

    Ja, das ist richtig. Mein Buch „Pause“ ist etwas niedriger aufgehängt. Weil eben viele Menschen ein Misstrauen gegenüber der Meditation empfinden. Und die möchte ich erreichen. Ich habe ja eine Reihe von Büchern über Meditation geschrieben, und wenn man so will, ist dieses ein Buch über Meditation light. Es geht aber auch darum, bewusst zu machen, dass wir uns von den täglichen Ablenkungen zum Beispiel des Smartphones befreien müssen und dadurch kleine Minipausen eintreten können. Damit ist noch nicht Meditation gemeint.

    Auch die ständigen Messages, die uns pausenlos über das Handy und die sozialen Medien erreichen, können stören. Empfiehlst du, diese rigoros abzuschalten?

    Nein, das wäre zu viel, das wäre ja Diktatur. Ich empfehle allerdings, dass wir uns davon deutlich abgrenzen. Wir können inzwischen neurowissenschaftlich nachweisen, dass der Konsum sozialer Medien für uns eben keine Entspannung ist, sondern Anspannung. Oftmals fühlt man sich hinterher sogar schlechter als vorher.

    Ich habe an einer Stelle etwas was sehr Schönes gefunden in deinem Buch. Du zitierst dort Charles Darwin: Er sagt da, „Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“. Und du beziehst genau das auf den Dauerstress, der sich langfristig gegen die Natur des Menschen richtet.

    Mein Buch beinhaltet zwölf Essays und zu jeden gibt es eine kleine Aufgabe und ein kleines Zitat. Entwicklungsgeschichtlich gesehen, hatten die Menschen immer wieder Ruhephasen im Tag. Zeiten, in denen es nichts zu tun gab. Zwischendurch entstand großer Stress, zum Beispiel wenn ein Säbelzahntiger auftauchte, aber danach war auch wieder Pause. Heute allerdings nutzen wir die Pausen, um das Handy rauszuholen und irgendwelche Nachrichten zu kontrollieren. Auch wenn es nur ein paar Minuten sind, die wir an der Kasse warten müssen. Diese kleinen Chancen für die Pause nutzen wir nicht mehr.

    An wen richtet sich Dein Buch „Pause“? Ich denke, Menschen, die schon etwas bewusster leben, haben viel davon, jedoch Menschen, die noch voll im Stress sind, haben für solche Gedanken gar keine Zeit. Also genau die, die es lesen sollten, tun ist vielleicht gar nicht? Weil sie ihr Problem nicht erkannt haben.

    Das ist ja immer so! Wenn man ganz bestimmten Menschen Ratschläge geben möchte, was ich sicherlich mit meinem Buch versuche, kann es sein, dass genau die diese Ratschläge gar nicht hören wollen. Ein sehr schöner Weg ist da natürlich, wenn man dieses Buch verschenkt an Menschen, die es lesen sollten. Ich schenke es also Menschen, von denen ich glaube, dass ihnen eine Pause mal ganz gut tun würde. Sehr erfreulich wäre es natürlich, wenn sich derjenige in einigen Sätzen des Buches dann auch tatsächlich wieder findet und diese Ideen aufgreift.

    Eine letzte Frage habe ich noch. Du schreibst zusammenfassend darüber, wie man ein gutes Leben führen kann. Lebst du eigentlich selbst und persönlich auch nach diesen Prämissen? Oder ist es mit Uli Hoffmann so, wie mit dem Arzt, der vor der OP noch eine rauchen geht?

    (lacht) Ich bemühe mich darum, tatsächlich mache ich auch vieles von dem, was ich empfehle. Mit der Umsetzung bin ich aber natürlich genau herausgefordert wie alle anderen. Auch mir fährt das Leben immer einmal in die Parade. Ich hatte vor kurzem die Situation, in der ich sehr angespannt war und viel zu tun hatte. Und dann lud mich mein Sohn ein, ihn zu besuchen. Fast hätte ich die Einladung abgesagt. Aber dann habe ich mich doch entschlossen, diesem Besuch Vorrang zu geben. Das ist durchaus ein Tun, zugleich aber eine Pause von der Arbeit, die ich mir bewusst verordne.

    Das gesamte Gespräch  zum Nachhören gibt es in der aktuellen Folge des AlsterCasts  – Hamburgs aktuellem Talk-Podcast mit Verleger Wolfgang E. Buss –  jetzt einfach klicken!

     


     

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