Freitag, 27. November 2020
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    Start Politik & Gesellschaft Dienstpflicht für alle?

    Dienstpflicht für alle?

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    Sollen junge Frauen und Männer ein soziales Pflichtjahr ableisten müssen? Dies wird immer wieder debattiert, zuletzt von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Ist ein solches Jahr sinnvoll? Wir diskutieren.

    PRO

    Hanna Dreyer, Praktikantin

    “Ausland, Studium oder doch lieber erst eine Ausbildung? Das fragen sich jährlich hunderte von Jugendlichen, die ihr Abi bereits in den Taschen haben. Oftmals wissen sie nicht genau, wie es nach dem Abi weiter geht. Deswegen kann ein soziales Pflichtjahr sehr hilfreich sein. Dadurch kann man auf ganz andere Gedanken kommen und man kann einen ganz neuen Blickwinkel des Lebens entdecken. Man kann in Ruhe über seine Zukunft nachdenken und herausfinden, was man machen möchte. Und wenn man schon Pläne für die Zukunft hat, dann kann man diese auch noch ein Jahr später umsetzen.
    Dieses soziale Jahr soll verhindern, dass die Jugendliche auf den falschen Weg geraten und nur zu Hause sind. Auch ich habe noch keine Pläne für meine Zukunft, weshalb mir dieses Jahr sehr helfen würde. Ich weiß, dass jetzt viele sagen werden, dass ich auch ein freiwilliges soziales Jahr machen kann. Das stimmt, aber viele andere, die das gleiche Problem haben wie ich, haben vielleicht keine Lust sich z.B. in Pflegeeinrichtungen zu engagieren. Das Jahr fordert einen auf, etwas für die Gesellschaft zu tun und tätig zu sein. Es bietet einem Chancen und neue Lebenserfahrungen.“

     

    CONTRA

    Christian Luscher, stv. Chefredakteur

    „Ich war selbst Zivildienstleistender und möchte die Erfahrungen aus dieser Zeit durchaus nicht missen. Dennoch bin ich gegen die Dienstpflicht. Ich habe selbst gesehen, wie „Zivis“ als billige Kräfte ausgenutzt wurden und die Arbeit von Festangestellten für ein Taschengeld erledigten – oft, ohne wirklich die Ausbildung dafür zu haben. Daher schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn Befürworter der Dienstpflicht frohlocken, damit könnte man doch den Personalmangel in der Pflege lindern. Ob es der Pflegebranche wirklich guttut, wenn man statt gut ausgebildeten und ordentlich bezahlten Kräfte auf Massen von unterbezahlten, unausgebildeten und zwangsrekrutierten Kurzzeitkräften zurückgreift, wage ich zu bezweifeln.
    Das Argument, die Pflicht wäre besonders lobenswert, denn die Dienstverpflichteten würden damit „der Gesellschaft etwas zurückgeben“, zieht erst recht nicht, da dieses großherzige „Zurückgeben“ unter Zwang geschieht. Freiwilliges Soziales Jahr, Bundesfreiwilligendienst & Co. fördern und besser stellen: Gerne! Aber mit patriotisch verklärter Zwangsarbeit Lücken auf dem Arbeitsmarkt füllen ist unserer Gesellschaft nicht würdig.“

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