Mittwoch, 28. Oktober 2020
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    Vom „Tüdelband“ bis Swasiland

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    Mo Brandis ist ein musikalischer Globetrotter. Zusätzlich zur Karriere solo und mit Band Incognito profilierte er sich auch als Songschreiber (z.B. ‚Nur noch kurz die Welt retten’ von Tim Bendzko). Seine Ursprünge hat der in London ansässige Künstler aber in Wellingsbüttel!

    Alstertal Magazin: „Hamburch ist und bleibt meine Heimat“, sagten Sie mal. Genauer gesagt, sind Sie ja (auch) Wellingsbüttler. Welche Erinnerungen haben Sie an die Walddörfer?

    Mo Brandis: Meine ganze Familie kommt aus Hamburg und ich bin immer wieder gerne in der Hansestadt und in Wellingsbüttel, wo ich übrigens auch in der Kirchengemeinde meinen Zivildienst geleistet habe! Vielleicht hat mich der ein oder andere Wellingsbüttler bei meiner Lieblingsbeschäftigung auf dem großen Rasenmäher über die Gemeindewiesen rasen sehen, natürlich mit lauter Musik auf den Ohren. Ich habe gute Erinnerungen an viele „Klönschnacks” mit netten, ehrlichen und unprätentiösen Menschen, am liebsten bei einem Kaffee oder mit einem Franzbrötchen in der Hand, einer der Geschmäcker die ich am meisten an Hamburg vermisse!
    Sie sind zwischen Swasiland, Hamburg und Ibiza aufgewachsen. Hat Sie das auch musikalisch beeinflusst?
    Ja, bestimmt. Ich habe dadurch verschiedene musikalische Einflüsse live und hautnah erlebt, von Reggae und traditioneller Musik auf Siswati in Swasiland, über Flamenco à la Gipsy Kings in Spanien bis hin zu “An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüdelband” in Hamburg. Das ist schon eine ganz schöne Bandbreite. Meine Eltern hatten allerdings den größten Einfluss, weil sie zu Hause viele verschiedene Musikrichtungen gehört haben, mein Vater selbst Musik gemacht hat und meine Mutter viel getanzt hat. Musik hatte für mich deshalb schon als Kind gefühlt keine Grenzen, keine Hautfarbe, keine Sprache. Es ging einfach um den Spaß und um das Gefühl.

    Sie sind vor kurzem seit zehn Jahren das erste Mal wieder in Hamburg aufgetreten. Wie war das für Sie? Wird es jetzt wieder zehn Jahre dauern bis zum nächsten Konzert hier?

    (Lacht) Nein, ich bin mir sicher es wird nicht wieder zehn Jahre dauern! Es war wirklich sehr besonders für mich. Nicht nur, weil ich so lange nicht in meiner Heimatstadt aufgetreten war, sondern auch, weil sehr viele Verwandte und Freunde im Publikum waren, viele sogar zum ersten Mal. Das ist einfach ein anderes Gefühl als in irgendeiner anderen Stadt vor Hunderten oder Tausenden aufzutreten, die ich nicht persönlich kenne. Hinter der Bühne machen wir immer direkt vor dem Auftritt einen Kreis mit der Band und ich halte eine kurze motivierende und besinnliche Ansprache – dieses Mal kamen mir dabei tatsächlich die Tränen. Ich war lange nicht mehr so aufgeregt vor einem Konzert.

    Mo Brandis wuchs zwischen Swasiland, Hamburg und Ibiza auf, bevor er 2007 nach London zog.

    Welchen Unterschied macht es, für andere Künstler Songs zu schreiben oder für die eigene Band? Geht man da anders ran?

    Ja, das ist tatsächlich oftmals eine andere Rangehensweise. Als Songschreiber für andere Künstler muss man sich, wenn man speziell für einen anderen Künstler oder eine Künstlerin schreibt, oft in die Lage dieser Menschen versetzen. Wie tickt die Person? Was würde sie sagen oder tun? Fühlen oder denken? Ein extremes Beispiel ist die britische Girlband ‚Stooshe’, für die ich viel geschrieben habe. Sich in diese verrückten weiblichen Persönlichkeiten hineinzufühlen hat mir super viel Spaß gemacht. Hat man das Glück, dass die Künstler anwesend sind oder mitschreiben, ist es natürlich einfacher, weil man viel über persönliche Gespräche herausfinden kann. Wenn man für sich selbst schreibt, ist hingegen das Schöne, dass man komplette künstlerische Freiheit hat und es eigene Geschichten sind, hinter denen man komplett steht. Allerdings ist deshalb auch die Gefahr, dass man jedes Wort und jede Note auf die Goldwaage legt und alles länger dauert.

    Gerne covern Sie auch Songs anderer Musiker. Wie suchen Sie sich die Songs aus, und was macht für Sie eine gute Coverversion aus?

    Es sind immer Songs, die ich liebe und die eine andere Facette in das Set bringen. Für mich ist es wichtig, aus dem bekannten Song etwas Eigenes zu machen, eine andere Version zu kreieren. Also anders als bei Coverbandauftritten, bei denen man probiert den Song möglichst originalgetreu zu performen, was ich auch schon viel gemacht habe. In unserem Konzert ist eines meiner persönlichen Highlights ein Medley von Songs weiblicher Künstlerinnen. Alles starke Frauen, die mich als Künstler beeinflusst haben. Es sind ein paar absolute Überraschungen dabei, ganz anders als das Original, das sind meine Lieblings-Coverversionen.

    Sie setzen sich auch für Straßenkinder in Äthiopien ein, haben einen Song darüber geschrieben – wie kam es zu diesem Engagement?

    Das kam durch meine Eltern. Mein Vater hat in verschiedenen Ländern Entwicklungshilfe geleistet, unter anderem in Äthiopien. Meine Mutter hat in der Zeit ein Waisenhaus gegründet, woraus ein größeres Projekt mit Straßenkindern, Schulbau und Mädchenstipendien entstand, was meine Eltern bis heute leiten. 2006 besuchte ich sie das erste Mal in Äthiopien und war von der Reise so inspiriert, dass ich sofort nach Rückkehr den Song ‚Live, Love & Learn’ schrieb. Heute ist es das Motto unserer Organisation. Es sind wirklich tolle Projekte hinter denen ich mit ganzem Herzen stehe, nicht nur weil 100% der Spenden wirklich dort ankommen, wo sie benötigt werden, da wir Mitglieder die Kosten tragen und ehrenamtlich arbeiten. Mehr können Ihre Leser gerne auf www.LiveLoveAndLearn.org erfahren. Wir freuen uns über jede Unterstützung der Projekte. Vielen Dank für das Interview und liebe Grüße an alle Hamburger!

    Foto: Juan José Ortiz Arenas, Vincent Dolman

     


     

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