Montag, 21. September 2020
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    Start Lifestyle "Frauen spüren das"

    “Frauen spüren das”

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    Drei Paare, sechs Perspektiven und bereits gemischte Gefühle beim Aufbruch in die Schweizer Berge. In seinem Roman “Frauen spüren das” erzählt Alstertaler Gerald Wenge eine Geschichte über zwischenmenschliche Beziehungen und die Lücke, die durch permanentes Tricksen, Verschweigen und Flunkern entsteht.

    Kommunikation ist das A & O. Zwischen dem Gedachten und dem letztendlich tatsächlich Gesagten liegen manchmal Welten.  In “Frauen spüren das” berichtet Poppenbütteler Gerald Wenge von einem Szenario, das wahrscheinlich jedem auf irgendeine Art & Weise schon einmal passiert ist…

    1. Bitte fassen Sie in 3 Sätzen zusammen, worum es sich in Ihrem Buch handelt.

      2019 veröffentlichte Gerald Wenge seinen Roman, in dem drei Paare um die 40 gemeinsam verreisen und einer Reihe von Bosheiten, Missverständnissen und Überraschungen entgegen fahren. Foto: Nicole Naeve

    In dem Roman geht es um drei miteinander befreundete Paare, die zum Jahresende für ein paar Tage zum Skilaufen in die Schweiz fahren. Jede der sechs Personen hat vollkommen andere Erwartungen an den Kurzurlaub, die jedoch den anderen gegenüber weitestgehend verschwiegen werden. Nur der Leserin und dem Leser bleiben die Gedanken nicht verschlossen, was die Geschichte – so hoffe ich zumindest – lustig, spannend und letztlich auch tragisch macht.

    1. Wie kamen Sie auf die Idee des Romans, da Sie doch eigentlich eher über Unterricht und Fußball schreiben?

    Das Reden und Schreiben über Unterricht ist mein Beruf, ich bilde Lehrerinnen und Lehrer aus. Wenn ich über etwas schreibe, egal über was, geht es letztlich immer darum, genau hinzugucken und aus den Beobachtungen eine Geschichte zu destillieren. Man könnte auch sagen: das Konkrete zu beschreiben, das für etwas Größeres, Allgemeines, Wesentliches steht.

    1. Sie schreiben zwar, die Personen seien frei erfunden, aber: Handelt es sich hier um Ereignisse, die Sie vielleicht auch selbst erlebt haben?

    Eine gefährliche Frage. Es gibt im Buch Sätze, die ich mal gehört oder vielleicht sogar selbst gesagt, auf jeden Fall aber gedacht habe. Es treten Verhaltensweisen zutage, die ich bei Mitmenschen beobachte, bei Bekannten, Kollegen, bei Fremden in der Bahn oder im Café. Die Idee zu dem Buch kam mir bei einem Brunch, bei dem ich dachte: Das ist ja ein einziges Theater hier, die spielen sich doch alle etwas vor. Als ich einer Freundin am Abend von dem Brunch erzählte, sagte sie sofort, dass das der Stoff für einen Roman sei. Wir begannen mit einem sehr intensiven Ideen-Pingpong und entwickelten über viele Wochen die Story und die Figuren.

    1. Glauben Sie, dass die Kommunikation von und zwischen Mann & Frau generell unterschiedlich und teilweise dadurch auch schwerer sein könnte?

    Weniger zwischen Mann und Frau als zwischen Mensch und Mensch: Das Gesagte ist meist nicht identisch mit dem Gedachten, zwischen dem Gedachten und dem Gesagten existiert oft eine Riesenlücke, wir lügen, verschweigen und tricksen permanent. Um diese Lücke geht es in dem Buch.

    1. In Ihrem Roman wirft der Charakter Henrik ein Auge auf die Freundin eines anderen aus der Gruppe. Dieses Szenario ist eher in der klassischen Rollenverteilung „Mann interessiert sich für Frau“ bekannt. Wieso ist das so und warum, glauben Sie, kommt es überhaupt zu so einer Situation – vor allem, wenn 3 Paare zusammen unterwegs sind?

    Henrik, der Antiheld der Geschichte, steht beruflich wie privat am Abgrund. Er spürt, dass ihm mit Anfang vierzig die Felle wegschwimmen. Er hat Angst vor dem Älterwerden und klammert sich an sein noch recht gutes Aussehen und an seine Schlagfertigkeit. Die Lebensgefährtin seines Freundes ist nach seiner Überzeugung viel zu jung für den zwanzig Jahre älteren Richard. Julia ihrerseits fühlt sich angezogen von Henriks Schmeicheleien und ist etwas gelangweilt vom Erwachsenenleben mit Richard.

    1. Was möchten Sie mit Ihrem Roman final ausdrücken, was ist Ihre genaue Message?

    Eine Message möchte ich mir nicht anmaßen. Eher eine Beobachtung: Dass jeder von uns allein durch die Welt geht – und dass Kommunikation, wie Niklas Luhmann es so wunderbar formulierte, soziale Systeme erzeugt und erhält. Wenn das Gesagte allerdings dauerhaft und deutlich vom Gedachten abweicht, platzt irgendwann die Blase, eine solche Unwucht sprengt dann Freundschaften, Familien, Paare. Im Roman wird dieser Prozess beschleunigt durch den engen Raum, auf dem sich die sechs Protagonisten vier Tage lang befinden.

    1. Ist es Ihnen leicht gefallen, „Frauen spüren das“ zu schreiben?

    Jein. Zunächst gab es nur zwei Paare, die miteinander zu Abend essen. Erst als das Quartett um Richard und Julia erweitert und als aus dem Abend ein Kurzurlaub wurde, nahm das Projekt Fahrt auf. Die Herausforderung bestand dann darin, den Personen individuelle Stimmen, Tonlagen und Themen zu geben, sie deutlich voneinander unterscheidbar zu machen. Als Leserin oder Leser kann man immer wieder denken: „Genau – kenn‘ ich!“

    1. Was spüren Frauen denn überhaupt genau?

    Das würde ich auch gern wissen!

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    Am 19. März liest Gerald Wenge aus seinem Buch im Jagdschloss Malepartus in Bargteheide. 


     

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