Donnerstag, 29. Oktober 2020
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    Mode mit Botschaft

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    Der Hamburger Untergrundkünstler Envie Koepke (l.) entwirft Mode, die auffällt und provoziert. Mit seinen Werken, die er regelmäßig auch an der Alster in Szene setzt, verfolgt der gebürtige Ivorer jedoch ein ernstes Anliegen.

    Wer Envie Koepke zum ersten Mal trifft, merkt gleich, dass er offen ist, kein Blatt vor den Mund nimmt. „Ich war schon als Kind total flippig, sodass die Leute fast schon verwundert waren, wenn sie mich mal in normaler Kleidung gesehen haben“, sagt er, als wir ihn im Standard auf St. Pauli zum Interview treffen. Tatsächlich fallen Koepke und dessen Kumpel Juri Wolf, den Koepke als sein Lieblingsmodel bezeichnet, in modischer Hinsicht auf. Der eine im knallbunten Pop-Art-Sweatshirt mit der Aufschrift „Welcome To Envie Koepkes Ghetto Pimp Circus“, der andere mit Tüll überzogenem Kragen, blau-weißen Stoffbändern an den Ärmeln und einem interessanten Fotodruck auf der Brust. Über dem Motiv, das eine sexuelle Handlung zeigen soll und künstlerisch von Koepke verfremdet wurde, ist der Slogan „Emancipated Bisexual Men“ zu lesen. Eine klare Message – vor provokativem Hintergrund. Der Modedesigner und Fotograf möchte provozieren. Ansonsten, so glaubt er, könne er sich mit seiner Arbeit erst gar nicht von der Masse abheben. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn Koepke möchte ganz gezielt auch aufmerksam machen auf das Thema Bisexualität. „Ich bin als dunkelhäutiger Junge streng katholisch erzogen worden. Sich vor diesem Hintergrund zu meiner Bisexualität zu bekennen, war sicher kein Zuckerschlecken.“ Der Hamburger Künstler möchte eine Stimme für all jene bisexuellen Männer sein, die sich noch immer verstecken. Als Sprachrohr dienen seine selbstgenähten Kleidungsstücke und Pop-Art-Fotografien.

    Designer und Fotograf: Seine Shirts setzt Envie Koepke am liebsten im Pop-Art-Stil in Szene.

    Jedes Kleidungsstück ist ein Unikat und wird dementsprechend von Koepke behandelt. Sobald ein Shirt fertig ist, geht es für ihn und eines seiner Models in die Stadt, um das Stück im Pop-Art-Stil zu inszenieren. Nicht selten verschlägt es den Hamburger Untergrundkünstler dabei in die Straßen von Eppendorf, Winterhude und Co. Anschließend wandern die meisten Shirts ins private Archiv, wo Koepke sämtliche Werke sammelt.
    Noch kann der gebürtige Ivorer, der mit 10 Jahren nach Freiburg im Breisgau kam und vor drei Jahren weiter nach Hamburg zog, nicht allein von seiner Kunst leben. Das jedoch soll sich in den nächsten Jahren ändern. „Irgendwann, wenn die Zeit reif ist, möchte ich eine große Ausstellung machen.“, sagt Koepke. „Dann möchte ich alles herausholen, was ich bis dahin gemacht habe, und eine große Party veranstalten.“ Jonas Bormann

     


     

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