Mittwoch, 28. Oktober 2020
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    Eine Wellingsbüttlerin in der Lindenstraße

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    Am 29. März endet nach 34 Jahren die „Lindenstraße“. Auch für die Wellingsbüttlerin Sarah Masuch alias Dr. Iris Brooks. Wir trafen die 41-Jährige zum Gespräch, in dem sie uns verriet, dass sie sich darüber fast ein bisschen freut und warum und wie die Rolle als Ärztin ihr Leben beeinflusst hat.

    AlstertalPlus: Wie bist du damals zur Lindenstraße gekommen?

    Sarah Masuch: Ganz normal über ein offizielles Casting. Die Produzenten haben eine neue Ärztin gesucht, weil der Vorgänger aufgehört hat.

    Hattest du damals Angst davor, in eine Serienschublade gesteckt zu werden, aus der du nicht mehr herauskommst?

    Klar war die ein bisschen da. Aber ich dachte damals, das dauert, bis man als „die Lindenstraßenärztin“ wahrgenommen wird. Darum habe ich mir im Vorwege überlegt, wie lange mache ich das … Ich hatte bei Antritt maximal drei Jahre angepeilt. Es wurden siebeneinhalb. Die Jahre in so einer Serie vergehen aber auch verdammt schnell. (lacht)

    Warum bist du so lange geblieben?

    Es hat viel Spaß gemacht, mit dem Team zu arbeiten. Es war ein bisschen wie in einer großen Familie und in der habe ich mich sehr wohl gefühlt. Außerdem ist es natürlich in unserem Business ein echter Luxus eine feste Anstellung zu haben, in der man auch noch fair bezahlt wird. Aufgrund der Dreheinteilung blieb mir außerdem noch ausreichend Zeit, nebenher Theater zu spielen. So etwas gibt man nicht so schnell auf, vor allem nicht bei meiner schönen Rolle als Ärztin. Am Schluss habe ich einen Vater bekommen, Ron Williams. Es war ein Geschenk mit ihm zu drehen.

    Die Wellingsbüttlerin Sarah Masuch alias Dr. Iris Brooks mit ihrem Fernsehvater William (Ron Williams). © WDR/Steven Mahner

    Und nun eine Klassikerfrage: Wurdest du auf der Straße auch mal als Ärztin angesprochen?

    Ich werde zwar öfter von Fans mit „Frau Doktor“ angesprochen, aber mich hat noch nie jemand gefragt: „Bei mir zieht es hinten im Rücken, was soll ich denn machen?“. Aber ich habe mich mit Ärzten unterhalten, weil ich wissen wollte, was es heißt, eine Ärztin zu sein. Anfangs habe ich sogar viel Fachliteratur gelesen, um Krankheitsbilder zu kennen. Das war spannend. Im privaten Kreis bin ich seit dem ein bisschen ärztlich unterwegs. Wenn jemand anfängt mir von seinen Beschwerden zu berichten, möchte ich alles hören und gebe so meine Tipps dazu. (lacht) Und ich wasche mir wie eine Verrückte die Hände, seit dem ich diese Rolle spiele. Das ist jetzt gerade ganz praktisch.

    Respekt, du bist also voll in die Rolle reingewachsen … Beim Lindenstraßenstart warst du sieben Jahre alt, hast du die Serie früher selbst geschaut?

    Ja, das war damals irgendwie Pflicht und wir waren eine echte Fernsehguckfamilie. Es gab ja auch nur drei Programme. Also saßen wir Sonntagabend vor der Lindenstraße. Aber gar nicht so lange. Umso erstaunter war ich, dass ich beim Casting noch viele Gesichter kannte.

    Die Lindenstraße ist ja dafür berühmt, wichtige gesellschaftliche Themen aufzugreifen. Was war denn in deiner Zeit das für dich wichtigste?

    Stimmt, der erste Kuss zwischen zwei Männern im Fernsehen beispielsweise war ein wirklich wichtiger Beitrag, den die Serie geleistet hat. Fand ich klasse. Als ich dazukam, ging es mit EHEC los, das ist mir jetzt beim Thema Corona wieder eingefallen. Ich glaube aus der Kombination „ich bin eine Ärztin“ und EHEC kommt mein bis heute andauernder Händewaschtick. Das Flüchtlingsthema wurde auch bei uns früh behandelt, denn eine Familie ist bei uns in der Straße gelandet und es stellte sich die Frage, wie wir damit umgehen. Dr. Brooks hat natürlich geholfen. Dafür wurde ich in Foren auch schon mal als Gutmensch beschimpft. Mir gefällt der Serien-Ansatz gesellschaftliche Themen von vielen Seiten zu beleuchten. Brandaktuell war in dieser Hinsicht auch der geplante Bau einer Moschee, vor allem in Köln. So etwas entzündet eine Diskussion in der Gesellschaft, das ist auch nachvollziehbar. Die Serie wollte zur Diskussion anregen. Das ist gelungen.

    Wie war denn die Stimmung bei euch, als ihr gehört habt, es geht nicht weiter?

    Überlegungen die Serie einzustellen, liefen über mehrere Jahre und waren bekannt. Der Vertrag wurde aber mehrfach um ein Jahr verlängert. An diesen Zustand hatten sich alle irgendwie gewöhnt. Deswegen war die Nachricht vom endgültigen Aus doch für alle eine Überraschung und viele waren geschockt. Schließlich war ein Riesenapparat betroffen, nämlich nicht nur die Schauspieler, sondern auch die, Maske, die Beleuchter der Schnitt und viele Festangestellte mehr.

    Wie hast du es empfunden?

    Ich war nicht so geschockt, denn als Schauspielerin kann man sowieso keine lebenslange Festanstellung erwarten. Nach der Ausbildung war ich fünf Jahre am Hamburger Schauspielhaus, habe dann TV gemacht und schließlich Lindenstraße. Für mich ist es normal, sich nach einer bestimmten Zeit weiterzubewegen. Jetzt etwas Neues suchen zu müssen setzt viel kreative Energie frei. So habe ich beim Drehen eines „about me“ festgestellt, dass ich rappen kann. Ich habe meinen Lebenslauf gereimt und gerappt, das hat richtig Spaß gemacht.

    Und, wirst du jetzt Rapperin?

    Tatsächlich war ich gerade bei einer Freundin, die eine neue Band gründen will, allerdings eine Rockband. Weil ich Klavier spielen kann, soll ich Keyboard spielen und ein bisschen mitsingen. Sah gut für mich aus. Wenn man offen ist, kommen plötzlich neue Dinge auf einen zugeflogen.

    Gibt es denn schon konkrete Pläne?

    Ja, ich sehe mich um, aber es gibt noch nichts Spruchreifes. Auf jeden Fall möchte ich mehr schreiben. Ich habe schon immer gerne Kurzgeschichten verfasst. Aber eher für mich selbst. Mein Traum ist es, ein autobiografisches Solostück zu schreiben – eine Art Monolog, bei dem ich mich noch entscheiden muss, in welche Richtung es geht. Aktuell ist ja das Thema Diversity recht groß, auch in meiner Branche. Was ich als Nichtweiße sehr begrüße. Denn egal, ob dick, dünn, schwarz, gelb oder weiß und natürlich auch die Sexualität betreffend, es ist wichtig, die Normen des weißen alten Mannes in Frage zu stellen. Bis jetzt ist es mir schwer gefallen, ausreichend Zeit und Muße zum Schreiben längerer Texte zu finden. Ich hoffe, dass sich das jetzt ändert. Kai Wehl

    (Die letzte Folge läuft am 29.3. um 18.50 Uhr im Ersten)

    Schauspielerin Sarah Masuch und Chefredakteur Kai Wehl trafen sich zum Gespräch in einem Kaffee, in dem sie am liebsten den ganzen Tag geschnackt hätten.

     

     


     

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