Mittwoch, 21. Oktober 2020
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    Eine Liebe, zwei Wohnungen

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    Mit den Jahren entwickeln viele Menschen immer mehr Eigenarten. Kommt dann im Alter ein neuer Partner ins Spiel, kann es schwer fallen, die eigenen Gewohnheiten auf den anderen abzustimmen. Viele Paare wählen daher „Nähe auf Zeit“ und damit getrennte Wohnungen.

    Mit der Zeile „Würd’ gern wieder nach dir suchen, doch du bist ja immer da“ beginnt die Hamburger Sängerin und Moderatorin Ina Müller ihr Lied mit dem Namen „Ich ziehe aus“. Später geht es weiter mit „Ich ziehe aus, weil zu viel Nähe den Wunsch nach Nähe killt“. In vielen Haushalten kehrt irgendwann der Alltag ein und somit verblasst die anfänglich aufregende Beziehung und entwickelt sich mit der Zeit zur Routine, in der den Partnern voreinander nichts mehr peinlich, aber auch wenig Kribbeln vorhanden ist. Traum oder Albtraum?Werden wir älter, entwickelt jeder von uns Eigenarten, die teilweise nicht mehr einfach abzulegen sind. Sei es ein enormes Bedürfnis nach Ordnung, bestimmte Aufstehzeiten oder Lebensmittel, die auf keinen Fall nebeneinander im Kühlschrank aufbewahrt werden dürfen. Ganz besonders Alleinlebende, die Herr oder Herrin ihrer eigenen vier Wände sind, können Schwierigkeiten haben, wenn dann plötzlich wieder jemand ins Leben tritt und den bisherigen rechten Winkel, in der die Fernbedienung zu liegen hat, nicht einhält. Aus diesem Grunde wählen auch gern Senioren die Partnerschaft mit getrennten Wohnungen. Wer schreibt einem denn vor, dass man nicht ebenfalls in wilder Ehe und mit zwei Haustüren leben darf, nur weil die Betroffenen ein Alter jenseits der 30 erreicht haben? Auch Ehen und dennoch verschiedene Wohnsituationen sind nicht verboten. Dieses Beziehungskonzept erleichtert es nicht nur der Generation 60+ die Privatsphäre aufrecht zu erhalten.  Eventuell werden hierdurch sogar Alltags-Streitereien vermieden und die Lust aufeinander nicht nur Kleinigkeiten, wie dreckige Wäsche oder Geschirr, geraubt. Mein Haus, meine Regeln! Nicht immer ist die logische Konsequenz einer harmonierenden Beziehung das dauerhafte Teilen des Betts oder Zahnputzbechers.  Natürlich gibt es gute Gründe, beispielsweise vergrößerter oder günstiger Wohnraum, um gemeinsam nach einem Domizil zu suchen. Doch was, wenn diese Aspekte nicht unbedingt entscheidend sind? Ein eigenes Reich, ganz auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet und nach dem persönlichen Geschmack eingerichtet, kann eine Oase der Ruhe und Kraft für dessen Bewohner sein. Doch getrennte Wohnräume auf Dauer setzen natürlich gerade auch in einer Partnerschaft gewisse Verbindlichkeiten voraus. Rituale entstehen nicht nur durch gemeinsames Wohnen, so kann der tägliche Gute-Nacht-Anruf oder ein abendlicher Spaziergang ebenso deutlich Zusammengehörigkeit symbolisieren. Nur, weil aus zwei Haushalten nicht einer gemacht wird, ist es ja ebenso wenig verboten, beieinander zu übernachten oder mehrere Tage miteinander zu verbringen. Der Grund, für den Wunsch nach getrennten Räumlichkeiten, muss nicht automatisch fehlende Liebe sein. Auch in diesem Beziehungskonzept ist offene Kommunikation die Voraussetzung, damit aus räumlicher Trennung nicht auch seelische Distanz entsteht.

     


     

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